Majestätischer Hirsch - Spannende Background Infos aus der Kunstwelt

Kunstwelt

Gedanken der Kunsthistorikerin Mag. Alexandra Wagner zu einem meiner Hirsch-Motive

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Majestätischer Hirsch

Spannende Background Infos aus der Kunstwelt

 

Wenn der Sommer sich dem Ende neigt und sich die Kraft der Natur im Herbst in all ihrer Farbenpracht präsentiert, tritt ein besonders majestätisches Tier in unsere Wahrnehmungswelt: der Hirsch.

 

Der Herbst ist die Zeit der Brunft. Das Geweih ist voll ausgebildet, das Röhren der Hirsche ist über weite Strecken zu hören. Der Hirsch ist seit jeher ein Symbol für Männlichkeit und Stärke.

 

Das Tiroler Herz schlägt für das edle Tier. Neben Adler, Gams und Edelweiß ist das Rotwild ein beliebtes Motiv für Tirol-Souvenirs. Wir finden ihn auf T-Shirts, Tassen, in der Trachtenmode, auf Home-Dekorartikeln und auf den allseits beliebten Flachmännern. Der Hirsch ist aber auch tiefer in unserem Leben verankert. Der Geweihträger ziert so manches Wirtshausschild.  Gemeinden haben den Hirsch im Wappen, so zeigt jenes der Tiroler Gemeinde Leutasch einen goldenen Hirsch auf grünem Hintergrund. Der Hirsch steht für den Reichtum an Wild und Wald. Auch im Landeswappen von Baden-Württemberg sehen wir einen Hirsch. Auf etlichen Familienwappen finden wir den prächtigen Waldbewohner.

 

In diesem stolzen Geweihträger vereinen sich die profane und die geistliche Welt.

Der Heilige Hubertus (Hubertus von Lüttich, Pfalzgraf von Burgund) lebte im 7. Jahrhundert. Der Legende nach erschien ihm auf der Jagd am Karfreitag ein Hirsch mit einem strahlenden Kreuz im Geweih. In vielen europäischen Ländern ist der Heilige Hubertus der Schutzpatron der Jäger und Forstleute sowie auch aller Tiere des Waldes. Der 3. November ist der Hubertustag, der Tag für die traditionelle Hubertusjagd.

 

In der Kunst sehen wir den Heiligen Hubertus begleitet von einem Hirsch mit einem leuchtenden Kruzifix im Geweih. Auch der Heilige Eustachius, Patriarch von Antiochien im 4. Jahrhundert, wird mit einem Hirsch mit Kreuz zwischen den Geweihstangen abgebildet. Die Unterscheidung der beiden Heiligen ist oft kaum möglich, es bedarf weiterer ikonographischer Hinweise. Eine ähnliche Legende mit leuchtendem Hirsch findet man schon im 3. vorchristlichen Jahrhundert im indisch-buddhistischen Raum. Hier geht es allerdings um die Bekehrung zum Buddhismus.

 

Schon die Kelten verehrten einen Gott in Hirschgestalt. Der „gehörnte“ Gott Cernunnos, im Sommer in der Gestalt eines Ebers, im Winter als Hirsch war der Gott des Waldes, der Tiere, der Fruchtbarkeit und der Unterwelt. In der griechischen Mythologie ist Artemis die Göttin der Jagd und der Fruchtbarkeit. Eines der ihr zugeordneten heiligen Tiere ist der Hirsch. In der römischen Sagenwelt treffen wir Artemis als Diana wieder.

 

Im Spirituellen zählt der Hirsch zu den Krafttieren. Er symbolisiert den maskulinen Aspekt der Seele und steht für Stärke, Verantwortung und für das Besinnen auf Mut. Das jährliche Abwerfen des Geweihs und die Neubildung in nur wenigen Monaten lässt das anmutige Waldtier auch zum Repräsentanten heilender Naturkräfte und der Erneuerung werden.

 

 

Uns allen bekannt ist ein ganz besonderer Vertreter aus der Familie der Geweihträger, das Rentier Rudolph mit der roten Nase. Die Geschichte und der Song vom liebenswürdigen Begleiter des Weihnachtsmannes stimmen uns alljährlich auf die Weihnachtszeit ein.

Zum Abschluss sei noch ein Hirsch genannt, der es in der Schweiz sogar bis vor das Gericht geschafft hat: Das Logo des Kräuterlikörs „Jägermeister“ zeigt seit 1934 einen Hirsch mit Kreuz zwischen den Geweihstangen. Im Jahr 2017 hatte das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum der Bildmarke des Jägermeisters den Schutz verweigert, da durch die Verwendung des Kreuzes das religiöse Empfinden der christlichen Glaubensgemeinschaft verletzt werden könnte. Das Urteil zur darauffolgenden Beschwerde ging allerdings zu Gunsten der Spirituose aus.

 

Ein Artikel von
Mag. Alexandra Wagner
Kunsthistorikerin

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